Google Chrome - Kleiner Test

Der neue Webbrowser Chrome von Google ist ja bereits in aller Munde. Grund genug um den Browser, der seit gestern in der aller ersten Version zum Download bereitsteht, mal etwas genauer zu testen.

Installation:

Nun, hierzu lädt man sich von http://www.google.de/chrome die erste BETA herunter. Natürlich erst nachdem man die Lizenzbedingungen akzeptiert hat.

Anschließend findet sich eine etwa 500 kb große ChromeSetup.exe auf dem Rechner. Diese muss doppelt angeklickt werden, denn es handelt sich dabei nur um ein Web-Setup, also ein Setup, das den ganzen Rest der benötigten Dateien online herunterlädt. Toll.

Je nach Serverauslastung kann die Installation also etwas dauern. Bei mir circa 3 Minuten.

(das Installations-Archiv, das im Hintergrund heruntergeladen wird ist ca. 22 MB groß, dazu später mehr)

Dann gehts an die Installation... Die ist eigentlich auch recht schnell vorbei.

Um den Benutzer wohl nicht unnötig zu verwirren, wird erst gar nicht nach einem Installationsverzeichnis gefragt. Stattdessen installiert sich Googles Chrome in das Lokale Einstellungen\Anwendungsdateien Verzeichnis unter Dokumente und Einstellungen (natürlich nur auf Windows PCs).

Hier befinden sich nach der Installation etwa 45 MB Daten, inklusive 22 MB Installations-Archiv, welches übrigens im 7-Zip Format als "chrome.7z" abgelegt wird.

Man wird nun mit diesem Willkommens-Fenster begrüßt. Eilige klicken einfach auf "Google Chrome starten", Enthusiasten klicken auf den blauen Link "Diese Einstellungen anpassen".

Da wir natürlich Enthusiasten sind, wollen wir mal sehen, was man alles so "anpassen" kann.

Hier lässt sich also einstellen, von welchem Browser aus Chrome die Favoriten / Lesezeichen importiert, ob Chrome als Standardbrowser verwendet wird und so. Mit einem Klick auf OK startet Chrome dann auch.

(Als Firefox Benutzer habe ich den Import von eben diesem Browser ausgewählt. Chrome hat alle Bookmarks / Lesezeichen und alle gespeicherten Passwörter importiert. Sehr praktisch.)

Der erste Start

Nach dem durchaus zügigen Programmstart zeigt sich Chrome nun das erste Mal mit seiner minimalistischen Bedienoberfläche.

Wie man sieht, befinden sich die von Firefox und Opera und mittlerweile auch vom Internet Explorer bekannten Tabs ganz oben am Fensterrand und nicht wie bei der Konkurrenz unter der Menüleiste. Eine Menüleiste hat Chrome gar nicht. Braucht Chrome auch nicht.

Ich verwende diese bei meinem Firefox eigentlich so gut wie nie, der einzige Grund für mich, die Menüleiste zu verwenden ist, das Options-Fenster zu öfnen. Alles andere lässt sich ja über die schneller erreichbaren Schaltflächen bewerkstelligen.

Das haben sich wohl auch die Google Jungs und Mädels gedacht und das Ding daher einfach weggelassen.

Weiterhin fällt auf, dass es keine Statusleiste gibt, zumindest keine die ständig eingeblendet wird. Das macht Chrome nur, wenn man beispielsweise mit der Maus über Grafiken fährt. Dann wird dort die URL angezeigt. Mehr Platz also für das Wichtige.

Die erste Seite

Um eine neue Seite zu öffnen, klickt man entweder auf das kleine Plus-Symbol neben dem aktuellen Tab, oder man vergewaltigt das aktuelle und gibt einfach die gewünschte Adresse ein.

Das Anzeigen der Seite geht relativ zügig von statten. Allerdings nicht merklich schneller als beispielsweise bei Firefox.

Allerdings ist die Oberfläche deutlich flotter als die von Firefox. Das Wechseln von Tab zu Tab geht doch einen Zacken schneller.

Was mir negativ auffällt ist die Werbung, die ich von Firefox dank Adblock und NoScript gar nicht mehr gewohnt bin. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es für Googles Chrome jemals ein Adblock Plugin geben wird, schließlich verdient Google ja gut mit Werbung. Wer weiß, ich wünsche mir auf jeden Fall eines.

Dass durch das Nicht-Laden der Werbung auch noch Zeit beim Aufbauen der Seite gespart wird, versteht sich von selbst, oder?

Von der Bedienung her ist Chrome erstens logisch und zweitens werden soweit ich das sehe alle wichtigen Firefox-Shortcuts (Strg-W, Strg-T) unterstützt. Man muss sich hier also nicht erst umgewöhnen.

Downloads

Dateien werden - soweit ich das gesehen habe - automatisch ohne weitere Nachfrage nach einem Klick auf den Link heruntergeladen. Das ist zwar praktisch, aber auch nicht unbedingt so mein Geschmack. Selbst bei EXE-Dateien ist das nicht anders. Die erste Sicherheitslücke, welche *.jar Dateien betrifft gibt es auch schon (siehe hier).

Immerhin werden die Downloads bei Beendigung nicht automatisch gestartet - es sei denn man wünscht das.

Um alle Downloads übersichtlich dargestellt zu sehen, klickt man auf die Schaltfläche "Alle Downloads anzeigen...", rechts unten in der Download-Leiste.

Es öffnet sich ein neuer Tab, der alle Downloads anzeigt, mit der Möglichkeit diese abzubrechen und zu durchsuchen. Schön.

Die Suche

Google wäre nicht Google, wenn das Suchen von Informationen nicht auch aus Chrome heraus einfach zugänglich wäre. Und so ist es auch. Anfangs eventuell etwas gewöhnungsbedürftig, da es keine separate Such-Eingabemaske gibt, dafür aber eben minimalistisch.

Gesucht wird folgendermaßen: Sobald Chrome merkt, dass man innerhalb einer x-beliebigen Webseite nach etwas sucht, merkt sich das Chrome.

Geht man beispielsweise auf die Übersetzungs-Seite http://dict.leo.org und sucht dort in dem Übersetzungs-Suchfeld nach etwas, steht von nun an Leo als Suche direkt aus der Adressleiste heraus zur Verfügung.

Um Leo nun als Suche zu verwenden, gibt man einen Teil der Adresse in die Adressleiste ein. In diesem Fall "dict.leo.org". Schon merkt Chrome, dass man auf Leo nach etwas suchen möchte und bietet dies als Option an.

Nun muss man noch einmal die Tab-Taste drücken...

und dann den Suchbegriff eingeben, et voilà, man landet auf der Ergebnisseite der eingegebenen Suche von Leo.

Praktisch...

Anonymes Surfen

In Chrome kann man via Rechtsklick auf einen Link eine Seite im sogenannten "Inkognito-Modus" öffnen. In diesem Modus werden laut Google besuchte Seiten nicht im Browserverlauf oder im Suchverlauf angezeigt (!).

Weiterhin werden Cookies und "andere Hinweise" (was das wohl sein mag?) nicht auf dem Rechner gespeichert.

Die "Inkognito-Oberfläche" ist statt dem üblichen Hellblau etwas dunkler, außerdem ziert eine merkwürdige Comic-Figur fortan die linke obere Ecke des Browsers.

Vom technischen Aspekt her eine gute Idee.

Was mir besser gefallen hätte, wäre wenn sich die anonym zu öffnende Seite auch in einem Tab der Hauptoberfläche öffnen lies und nicht in einem separaten Fenster. Dann könnte man auch auf den Exibitionisten verzichten und einfach ein anderes Symbol anzeigen. Technisch wäre das sicherlich machbar...

Quelltext anzeigen

Ebenfalls via Rechtsklick auf die aktuelle Seite lässt sich der Seitenquelltext eben dieser anzeigen. Und hier ist die Darstellung wirklich gut gemacht.

Der Quelltext wird in einem separten Tab angezeigt und nicht wie in Firefox beispielsweise in einem neuen Fenster. Außerdem funktionieren im Quelltext-Fenster die Links aus dem Quellcode und es werden Zeilennummern angezeigt. Praktisch.

RSS / ATOM

Das scheint noch nicht so zu funktionieren.

Außerdem wird bei manchen Seiten, wie auch hier beim Darstellen des Feeds der Titel "Ladevorgang läuft..." nicht durch den Seitennamen aktualisiert, obwohl das Laden bereits abgeschlossen ist. Naja, ist ja auch noch die erste Beta.

Inspektor

Das ist wirklich ein cooles Feature vorallem für Webentwickler. Via Rechtsklick "Element untersuchen" kann man den Chrome Inspektor öffnen. Dieser funktioniert ähnlich die die unter Firefox bekannte Erweiterung "Firebug".

Es gibt den Modus "Elements" und "Resources". "Elements" zeigt den Quelltext der Seite gestaffelt nach den HTML / XML Elementen an. Sobald man mit der Maus über ein Element fährt, verfärbt sich der jeweils betroffene Bereich der Seite gelblich.

Im Bild beispielsweise hebt mit der Inspektor die Seitenleiste meiner Seite hervor.

Auch sehr nett ist der "Resources" Bereich. Hier kann man sich anzeigen lassen, wie lange die Seite zum Laden welcher Elemente benötigt hat. Dabei lässt sich die Ansicht von "Zeit" auf "Größe" wechseln.

Hier ist schön zu sehen, welches Element meiner Seite wie lange zum Laden benötigt. So lässt sich leicht feststellen, was das Laden der Seite verzögert und man ggf. etwas dagegen unternehmen.

Hier die selbe Webseite in der Ansicht nach "Größe".

Weiterhin kann man sich Fehler der Webseite anzeigen lassen. Oben schön am roten Kreis zu sehen. Klickt man auf diesen, erhält man folgende Detailansicht.

Optionen

Die Optionen werden über die Werkzeug-Schaltfläche rechts außen aufgerufen.

Da hier nichts besonderes ist, einfach kurz die Bilder der drei Register.

About Seiten

Ähnlich wie Firefox's "about:config" Seite, besitzt auch Google Chrome 'versteckte' Einstellungs Seiten.

Diese sind:

  • about:stats
  • about:network
  • about:histograms
  • about:plugins
  • about:memory
  • about:cache
  • about:dns

About:DNS zeigt Details zum Auflösen der DNS an.

About:Network gibt Aufschluss darüber, was der Browser gerade lädt.

About:Histograms zeigt wahrscheinlich an, wieviel Ladezeit durch das Verwenden von gecachten Dateien gespart wurde. Da bin ich mir allerdings nicht ganz sicher. Auf jedenfall gibt es schöne ASCII Arts.

About:Plugins zeigt alle geladenen Plugins an.

About:Memory zeigt den Speicherverbrauch von Chrome und (!) allen geöffneten anderen Browsern, wie beispielsweise vom IE oder von Firefox an. Nett.

About:Cache zeigt alle Elemente an, die sich gerade im Cache befinden.

Fazit

Also ich muss wirklich sagen, dass ich positiv überrascht bin. Zum einen vom gelungenen Bedienkonzpet, das wirklich sehr einfach und puristisch gehalten ist, und zum anderen von der Performance. Weniger was das Laden von Webseiten angeht, als viel mehr die Gesamtperformance von Chrome. Auch wenn der Arbeitsspeicher-Hunger nicht gerade wenig ist.

Pro geöffnetem Tab waren es auf meinem Testrechner etwa 12 - 25 MB. Meist aber 12 maximal 16 MB. Das kommt aber natürlich stark auf die jeweilige Seite an.

Schön zu sehen sind hier die einzelnen Prozesse pro geöffnetem Register. Weniger schön ist, dass auch Google Update ständig im Hintergrund läuft.

Eine Flash-intensive Seite beispielsweise hatte kurz dafür gesorgt, dass der Speicherbedarf auf einmal auf ca. 60 MB hochging. Chrome hat sich allerdings wieder gefangen und lief ohne Murren weiter.

Deinstallation:

Die geht erstaunlicherweise rasend schnell. Man wird kurz gefragt, ob Google etwas falsch gemacht hat, dann klickt man auf die OK-Schaltfläche (OK, Google hat was falsch gemacht? Was ist mit dem guten Ja / Nein passiert?) und schon ist Chrome deinstalliert.

Mehr zum vollständigen Entfernen von Google Chrome habe ich in diesem Artikel geschrieben.


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