Auf meinem heutigen Nachhauseweg vom Büro stand ich etwa 4 Kilometer vor meinem eigentlichen Ziel plötzlich unverhofft vor einer Straßenabsperrung. Es gab weder eine Ankündigung dieser noch einen Hinweis auf eine Umleitung. Auf dem Schild, das mitten auf der Straße aufgestellt war, stand lediglich "Wegen Straßenarbeiten nur für Anlieger frei".
Dementsprechend baff hielt ich also erstmal an. Vor mir stand ein BMW und vor dem BMW sah man schon im Bereich der Absperrung, wie ein LKW Fahrer verzweifelt versuchte sein Ungetüm auf der zweispurgen Straße zu wenden. Der BMW direkt vor mir hat sich nach kurzem Zögern entschlossen, auf den Feldweg direkt links von uns abzubiegen.
Wie ich aus eigener Erfahrung wusste, kommt man über diesen Feldweg auf eine Schnellstraße, die mich auch nach Hause führt (ich bin bereits vor etwa einem Jahr gezwungenermaßen diesen Weg gefahren. Da er aber eigentlich nur für Anlieger frei ist, habe ich es sonst vermieden). Im Prinzip ist der Weg auch keine Abkürzung, aber wenn totaler Stau ist, kann man durch die 'Abkürzung' den Stau in großem Bogen umfahren. Immer schön zu sehen, wenn es plötzlich vier, fünf neue Anlieger gibt, meist dann, wenn eben Stau ist... Aus Gründen der Liebe zu meinen Reifen und dem Lack habe ich es dennoch vermieden den Weg zu fahren. Noch dazu deshalb, da beim allerersten (und einzigen!) Mal mir natürlich auch noch die Polizei entgegenkam. Diese hat mich aber nichtmal komisch angekuckt, wahrscheinlich haben sie auch nur versucht, den damaligen Stau zu umfahren.
Naja, mir blieb heute jedenfalls nichts anders übrig, als entweder wieder kehrt zu machen und etwa 90% des bereits zurückgelegten Wegs wieder retour zu fahren oder eben diesen Feldweg zu verwenden.
Ich entschloss mich für den Feldweg und folgte dem BMW.
Wir (mittlerweile folgten uns schon etwa 6 weitere Wagen) fuhren mit ca. 40 - 50 km/h relativ zügig auf der einspurigen, überaus holprigen Landstraße, die stark verästelt über einen Weinberg verläuft. Nach bereits wenigen Minuten kam der erste Gegenverkehr, der seine wahre Mühe hatte, an uns vorbeizukommen. Schließlich ist die Straße wirklich eher ein Weg, als eine Straße. Und Ausweichmöglichkeiten gibt es keine.

Irgendwann habe ich dann auch noch den BMW nach einer Gabelung kurz aus den Augen verloren. Zum einen, weil er wirklich sehr schnell fuhr (er schien sich dort oben entweder sehr gut auszukennen, oder aber ihm war jeglicher Gegenverkehr egal), und zum anderen, weil ich nicht nah genug an ihm dran war. Ja, ja, der Sicherheitsabstand.
Nunja, als ich dann - wie mir schon kurz darauf klargeworden ist - falsch abbog, war der BMW - wie sollte es anders sein - bereits verschwunden. Die anderen Autos waren aber immer noch nah hinter mir. An ein Umdrehen war daher und des schmalen Weges wegen gar nicht zu denken.
Also fuhr ich geleitet durch den nicht sichtbaren Polarstern und meinen hervorragenden Orientierungssinn einfach so, wie ich dachte. Wir durchkreuzten dabei einen wirklich schönen Wald, der durch den kürzlich gefallenen Regen auch noch ziemlich gut roch. Für einen Spaziergang sicherlich zu empfehlen...
Etwa 15 Minuten, 400 Schlaglöcher, eine Zigarette und zwölf Gabelungen später kamen wir dann endlich an eine Auffahrt zu einer Schnellstraße, auf der sich tatsächlich noch anderen Autos befanden. Wir waren wieder in der Zivilisation angekommen.
Einen Jogger haben wir mit großer Wahrscheinlichkeit auch sehr überrascht. Ihm sind schließlich auf einer sonst wohl nie befahrenen Straße 6 Autos in Kolonne entgegengekommen.
Das beste daran war, dass diese Schnellstraße auf der wir ankamen, etwa 5 Minuten von meinem Büro entfernt verläuft. Ich bin also die ganze Zeit wieder zurück gefahren, obwohl ich mit der Abkürzung ja eigentlich genau das nicht vorhatte (und bis dato auch nicht wusste, dass dies überhaupt möglich ist). Ebenfalls schön fand ich, dass mir einfach alle 'blind' hinterherfuhren...
Naja, jetzt weiß ich wenigstens wie ich mal bei Weltuntergang bzw. dem Ausbruch eines Zombievirus ohne Stau Richtung Büro kommen kann. Hat auch was.
(Bild von realname)