Letztes Jahr zu Winterbeginn. Wechsel von Sommerreifen auf Winterreifen. Was passiert? Im Dunkeln (klar, ist ja Winter) fahre ich rückwärts aus der Parklücke und lenke stark ein, da nebenmir ein anderes Auto steht und hinter mir gerade ein Fahrrad vorbeifährt. Was ich nicht beachtet hatte, war die Laterne rechts vorne. Mein Scheinwerfer ist kaputt.
Im Frühling dann der Wechsel von Winter zu Sommerreifen. Was passiert? Da ich mittlerweile ein anderes Auto habe, musste ich meine Felgen für die Sommerreifen vom TÜV erneut abnehmen lassen, also eine Werkstatt gesucht, die das kann und Zeit für mich hat. Einen Termin für Freitag Morgen 7:30 Uhr ausgemacht, einen Leihwagen für einen Euro beantragt und gut. Ich muss ja wieder zurück ins Geschäft...
Ich fahre also morgens los um mein Auto dort abzugeben. Abends hatte ich leider schon festgestellt, dass ich dummerweise die alte TÜV Bescheinigung im Büro habe liegenlassen. Das sollte schon das erste Zeichen sein, dass irgendwas an diesem Tag nicht so wollte wie ich. Ich habe es leider nur "leicht" gespürt, mehr nicht. Also morgens zuerst ins Büro und dann wieder zurück zur Werkstatt und dann wieder ins Büro. So der veränderte Plan.
Bei der Werkstatt angekommen gebe ich meinen Schlüssel, das alte Gutachten und den Fahrzeugschein ab. Im Gegenzug bekomme ich einen Autoschlüssel für den Leihwagen. Das wars, keine Unterschrift, nichts. Das wurde mir aber auch erst später klar... Doch erstmal geht es normal weiter: Ich laufe also zum Leihwagen, ein VW New Beetle mit 2 Liter in rot. Schon etwas älter, 170.000 km hinter sich. Innen mehr Platz vor als hinter mir. Bin etwas erstaunt, so assi hätte ich mir den New Beetle von innen nun auch wieder nicht vorgestellt. Hat ein Bisschen das Flair eines Donauschleppers. Aber gut. Kostet ja nur einen Euro.
Ich fahre also zurück ins Geschäft, komme dort einigermaßen pünktlich um 8 Uhr an. Zeitraffer. Gegen 16:30 Uhr beenden wir die Tätigkeiten und verlassen so die Firma. Ab ins Wochenende. Meine Feierabendszigarette darf ich im Leihwagen nicht rauchen und ebenso wenig darf ich auf unserem Firmengelände rauchen. Mein Plan also: Ich will raus auf die Straße gegenüber; kurz halten, eine rauchen und dann endlich den Leihwagen zurückgeben und mein Auto mit schönen Sommerreifen abholen.
Was passiert natürlich? Ich fahre wirklich vorsichtig zur Ausfahrt des Firmenparkplatzes. Vor mir eine Kollegin die sich rechts einordnet, aber nicht blinkt. Ich fahre links neben sie, da ich links abbiegen möchte. Ich schaue links, dann rechts, stelle fest, dass sie immer noch nicht blinkt. Einige Sekunden später weiß ich nur noch wie ich beschloss, dass sie wohl auch ohne zu Blinken rechts abbiegt und ich dann links los kann. Ich fahre also nicht einmal einen halben Meter vor auf den Gehweg und es macht plötzlich BUMMM. Vor mir auf einmal ein weißer Transporter der mittlerweile durch mich leicht abgebremst vorbeirauscht und schließlich etwa zehn Meter später zum Stehen kommt.
Ich hab ihn nicht gesehen und bin zu weit aus der Ausfahrt raus. Vorfahrt missachtet. Klar. Geschockt tauschen wir Name, Adresse und so aus, machen ein paar Fotos. Schaden: die ganze rechte Seit des Transporters ist leicht rötlich und mit einem Striemen versehen. Heftig. Die Stoßstange des Beetle ist etwas lädiert und das Licht hat auch eine Schramme.
Hier mal einige Bilder. VW New Beetle nachher:
Transporter nachher:
(das leicht rote unten war ich)
Wie man auf dem Foto auch sehr schön sieht, steht der Transporter sehr nah am Gehweg. Ich vermute also - mehr geht leider nicht mehr, da ich das wirklich nur wie Trance miterlebt habe und auch nicht sonderlich geistesgegenwärtig war, als es passiert ist) - dass er auch sehr nah am Gehweg die Straße entlangfuhr. Er sagte mir auch noch, dass er ausweichen wollte, aber die Gegenspur zugeparkt war (sieht man auch auf den Fotos). Es handelte sich also nur um wenige Zentimeter, die dieser drecks Beetle zu weit aus der Ausfahrt des Parkplatzes gelugt hat. Also gerade die paar Zentimeter, die ich vorfahren wollte um nach rechts und links schauen zu können, waren zu viel. Zu viel für mich, für den Beetle mit seinem großen Vorbau und zuviel für den Transporter.
Ich fahre leicht in Trance den Wagen zurück. Ich weiß noch, dass im Radio "Nothing compares to you" von Sinéad O’Connor kam...
Auf dem Parkplatz der Werkstatt angekommen, gerade geparkt und ausgestiegen kommt mir schon die fette Aushilfe entgegen gerannt "was ist denn da passiert, das habe ich schon gesehen, als Sie hergefahren sind". "Ja, ich hatte einen Unfall".
Ich verkürze das restliche Geschehen jetzt mal wie folgt:
- Ich bespreche das Geschehen mit dem Chef und soll die Polizei anrufen, da bei Leihwagen sowas immer zu tun ist.
- Die Polizei meint am Telefon, dass ich sie nicht anrufen muss. Wenn dann soll ich vorbeikommen mit dem Leihwagen. Für eine Unfallaufnahme sei es aber schon zu spät.
- Ich erzähl das dem Chef und der meint "ok". Ich gebe ihm die Adresse des Unfallgegners, nehme meinen Wagen entgegen, unterzeichne die Rechnung der Werkstatt und fahre einige Meter um etwas Abstand zu gewinnen.
- Ich rufe meine KFZ Versicherung an und frage um Auskunft wie das ganze weitergehen soll. Die meinen, sie seien dafür nicht zuständig, da es ja nicht um MEIN Auto geht sondern um den Leihwagen. Das wickelt also die Versicherung der Werkstatt ab. Stimmt.
- Am darauffolgenden Montag: Anruf der Werkstatt. Ich berichte was mir die KFZ Versicherung sagte. Der Chef sagt "ok". Ich soll mal meine Haftpflichtversicherung anrufen. Mach ich, auch die übernehmen da nix, da nicht zuständig. Toll.
- Im Internet finde ich immer mehr Infos, dass bei solchen Fällen der Unfallverursacher (also offensichtlich ich) haften muss. Hab ich auch nichtmal direkt was dagegen, war ja leider wirklich meine Schuld. Dumm ist nur, dass die Werkstatt nur eine Teilkasko hat, ich also für den Schaden am Leihwagen komplett aufkommen muss. Das hat mir halt keiner gesagt. Schlüsselübergabe -> Vertragsabschluss -> Fuck You!
- Tags darauf ruft mich die Werkstatt an und sagt, sie hätten einen Kostenvoranschlag zur Reparatur des Leihwagen (übrigens 170.000 km und schon leicht lädiert an einigen Stellen). Zugefaxt und Spass dabei: Rechnung über € 1.800 ,- Ui ui fucking ui. Den Kostenvoranschlag haben sie natürlich von einer Original VW Werkstatt machen lassen, die bei uns in der Umgebung nicht unbedingt den besten Ruf genießt. Doch das nur nebenbei.
- Später kommen zu den € 1.800,- noch die Erhöhung der Versicherungssumme. Summa summarum € 2.134,-
- Ich möchte von der Werkstatt ein Schreiben, wo drin steht, dass wenn ich dafür aufkomme, die ganze Sache erledigt ist. Geht klar, kommt. Der schöne Zusatz "Sollte ich nicht innerhalb von 8 Tagen zahlen, kommen die Kosten für ein Ersatzfahrzeug hinzu", die Werkstatt braucht ja ein Ersatzfahrzeug während der Leihwagen zur Reparatur ist.
- Später stellt sich noch heraus, dass ich wohl noch nichtmal einen unabhängigen Gutachter beauftragen kann, da die Werkstatt das Ding schon längst repariert hat. Toll.
Was lerne ich daraus? Niemals wieder einen Leihwagen ohne zuvor genau zu wissen, wie das Teil versichert ist. Auf das Bauchgefühl hören! Mir in Zukunft die Nummer eines guten Anwalts in das Handy zu speichern. Nie wieder die Reifen zu wechseln ;-)



